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Diese Geschichte, ihre Geschichte, wird von einer Frau erzählt, die kürzlich ihr vierzigstes Lebensjahr überschritten hat. Ihre Stimme ist präzise, klar, hart, ihr Blick ungetrübt. Ihre Hand tut nichts anderes, als Geldscheine in den Schlitz des Spielautomatens zu stecken und den Startknopf zu drücken, jahrelang. Während ihr Leben den Bach runtergeht, wartet sie auf „das anhaltende Echo des Solfeggios, auf die Lichtsplitter, die sich auf dem Monitor ausbreiten“. Denn jeder Sieg lässt ihr Herz noch einmal höher schlagen. Alessandra Mureddu erzählt von innen heraus in einer entzündeten, kraftvollen Sprache über die emotionalen und materiellen Abhängigkeiten, die dem heutigen Leben innewohnen. Sie beschreibt eine Welt, die nur wenige Menschen kennen, aber Gefühle, in denen es unmöglich wird, sich nicht selbst zu spiegeln: Die wahre Geschichte einer zwanghaften Spielerin. Eine ungezügelte Geschichte der Sucht, die alles berührt, von Spielautomaten über sexuelle und persönliche Beziehungen bis hin zum Vater der Protagonistin und sogar ihrem Hund. Azzardo ist ein großartiger und herzzerreißender Roman über das, was uns am menschlichsten macht – unsere Schwächen. „Ich betrete den Saal mit dem triumphalen Schritt eines Menschen, der die Welt zurückerobern wird. Die fünfzig Geldscheine verschwinden mit einer Geschwindigkeit von einem Euro pro Sekunde, einer nach dem anderen, im Schlitz. Wenn die Münzen herauskommen, machen sie ‚puff‘, wie das Schnappen der Lippen eines Fisches.“ Im Alter von einundvierzig Jahren, während sie ein erfülltes Leben führt, beschließt eine Frau, ihren Vater zu retten – einen Anwalt und pathologischen Spieler. Doch um ihren Vater zu retten, muss sie in die Welt der Spielautomaten eintauchen: eine fensterlose Umgebung, in der es unmöglich ist, Tag und Nacht oder Gewinner und Verlierer zu unterscheiden, da jeder Gewinn wieder in den Automaten gesteckt wird. Wenn man zufällig den Automaten schlägt, will man nur noch mehr gewinnen; und wenn man Geld verliert, spiel man weiter, um es zurückzugewinnen. Bald muss sich die Tochter, die versucht hat, ihren Vater zu retten, vor der Glücksspielkrankheit schützen. In nur ein paar Jahren wird sie in einen Strudel hineingezogen. Das Konto leert sich, das Haar ergraut, der Körper verschwindet unter einer großen schwarzen Tunika. Liebesbeziehungen, Freunde, Kollegen, Familie und ihr eigener Körper: das Spielfieber zerfrisst alles. Sie stiehlt goldene Erbstücke von ihrer Mutter, um sie für eine Handvoll Geld zu verscherbeln, das dann schnell wieder verprasst wird. Die Rettung kommt über das Zwölf-Schritte-Programm der Anonymen Spieler, aber die Rückfälle reißen jedes Mal noch tiefere Wunden auf. Die Erlösung schleicht sich in Gestalt eines Traumes ein, oder vielleicht als eine kleine Geste, wie die des Vaters auf der letzten Seite des Buches.


Alessandra Mureddu lebt und arbeitet in Rom. Azzardo ist ihr erster Roman.

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