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Es ist Sommer, als Lucia und Giuseppe 1965 in Rom ankommen. Sie haben ihre acht Monate alte Tochter bei sich, sind verliebt, aber das Gefühl gejagt zu sein, können sie nicht abschütteln. Denn Lucia ist vor ihrem gewalttätigen Ehemann geflohen, den sie heiraten musste und der sie täglich demütigte. In Rom versuchte sie, sich mit Giuseppe ein neues Leben aufzubauen. Nach dem damaligen Gesetz hat sich die Frau jedoch schwerer Vergehen schuldig gemacht: Ehebruch und Verlassen der ehelichen Wohnung. Bevor sie sich unter mysteriösen Umständen in die Fluten des Tibers stürzen, lässt das Paar das Kind auf einer Wiese in der Villa Borghese zurück, da sie zuversichtlich sind, dass sich jemand um das Kind kümmern wird. Mehr als fünfzig Jahre später macht sich das kleine Mädchen, selbst Mutter, auf den Weg, um zu ergründen, was wirklich mit ihren Eltern geschehen ist. Wie eine Detektivin rekonstruiert Maria Grazia Calandrone die Reihenfolge der Ortswechsel von Lucia und Giuseppe, listet die zurückgelassenen Gegenstände auf, erkundigt sich nach der Zeit, die eine Leiche braucht, um im Wasser zu sterben, und nach der Funktionsweise der Post im Jahr 1965, um zu verstehen, wann und von wo ihre Eltern den Brief an die Zeitung l’Unità schickten, in dem sie ihre Geste mit wenigen Worten erklärten. Nach Splendi come vita, in dem sich die Autorin mit der schwierigen Beziehung zu ihrer Adoptivmutter auseinander setzte, thematisiert Dove non mi hai portata vielleicht sogar noch intimere und komplexere Verknüpfungen. Indem sie die Geschichte der Eltern anhand von Zeitungsartikeln der damaligen Zeit untersucht, zeichnet Calandrone das Porträt eines Italiens, das zwar des Kriegs überdrüssig war, sich aber noch nicht von den Zwangsregeln der Gesellschaft befreit hatte. Ein Land, das eine starke und vitale Frau dazu gebracht hat, sich ausweglos zu fühlen. Bis zu dem Punkt, an dem sie die Entscheidung für ihre Liebe mit dem Leben bezahlen musste.

 

 


Maria Grazia Calandrone ist Dichterin, Schriftstellerin, Journalistin, Theaterautorin, bildende Künstlerin und Autorin und Moderatorin für die öffentlichen Fernsehsender der Rai. Sie schreibt für die Tageszeitung Corriere della Sera und hält Poesie-Workshops in Schulen und Gefängnissen ab. Mit ihren Gedichtbänden hat sie renommierte Preise gewonnen. Ihr neuestes Buch, Splendi come vita (Ponte alle Grazie 2021), wurde in die engere Auswahl des Strega-Preises aufgenommen. Für Einaudi veröffentlichte sie Dove non mi hai portata (2022).

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